Design Linz ’11

130 Aussteller aus neun Ländern kamen dieser Tage zusammen um Ihre Schöpfungen im Rahmen der Internationalen Fach- und Publikumsmesse Design Linz vorzustellen. Auch wurde als Abhaltungsstandort das Design Center Linz ausgewählt. Doch wer sich hier auf die Suche nach echtem Design begibt, wird vermutlich enttäuscht wieder von dannen ziehen.

Der Zuschauerraum ist klein und nahezu vollständig durch Organisatoren, Mitarbeiter und Kooperationspartner aus Politik und Wirtschaft gefüllt. Die Messeeröffnung verläuft ohne besondere Vorkommnisse und ist ein klein wenig von Größenwahn getragen. Die Eröffnungsmusik besteht aus modernen Rekompositionen von Mozart und Israel Kamakawiwo’ole (mutig) und ist gefolgt von einigen Reden über die Herausforderungen und das Zustandekommen eines solchen, großen Ereignisses. Allen voran: Dir. Mag. Thomas Ziegler, Marketingleiter und Direktor des Design Center Linz. Dieser ist offensichtlich voll Stolz auf das Geschaffte. Über das Gebäude schwärmt er: „…zeitlos modern – wie der Eiffelturm.“ Es sei ihm vergönnt. Angekündigte Sprecher aus der Politik nehmen das Ereignis offenbar nicht ganz so ernst. Sie lassen sich allesamt vertreten.
Schließlich werden wir von Herrn Lindpointner, seinerseits Geschäftsführer von Peter Lindpointner Messen CMW, aufgefordert uns umzusehen und Design zu erleben. Doch das gestaltete sich als weitaus schwieriger, als der Titel der Messe vermuten ließ. Der Begriff wurde nämlich genau als die oberflächliche Beschönigung mehr oder weniger nützlicher Erzeugnisse dargestellt, von der echtes Design sich abzuheben versucht.

Flop
Schon kurz nach dem Eingang zur Messe springt mir eine Tür der Firma Wippro ins Auge. Käufer, die sich von der Kombination weißen Leders und Strasssteinchen nicht abschrecken lassen werden vermutlich nach kurzer Zeit die Freude daran verlieren. Spätestens nämlich dann, wenn die genau um den Griffbereich angebrachte Tierhaut die ersten Verunreinigungen aufweist. 

Die Design Linz läuft noch bis zum 22.Mai.

www.designmesse.at

 Gegenüber finde ich den Stand von Optigrün interessant und möchte gerne mehr über die Systemlösung Fassadengarten erfahren. Leider treffe ich hier auch nach mehreren Versuchen niemanden an der das Konzept näher erklären würde. Da könnte man sich die Teilnahme an der Messe eigentlich gleich ersparen.
In Zeiten in denen das Thema Nachhaltigkeit beinahe schon zum Standardrepertoire eines jeden Unternehmens gehört, lehnt sich die Shopcrea GmbH weit aus dem Fenster und versucht sich am genauen Gegenteil. Im Mittelpunkt des Messestands steht ein wunderschön verarbeiteter Spieltisch aus Tropenhölzern und Krokodilleder. Wer‘s braucht.
Käufern solcher Produkte möchte ich am liebsten den würfelförmigen Quasar der Firma Movingfire als Sitzgelegenheit anbieten. Das zum Platz nehmen einladende Möbelstück ist eigentlich eine Indoor-Feuerstelle. Unwissende Gäste können sich damit aber leicht ein Rautenmuster in den Allerwertesten brennen.

Top
Zum Glück wurde ich auf meiner Suche nach sinnvollen Gegenständen doch noch gelegentlich fündig. Mit einer wenig neuen, aber nach wie vor überzeugenden Idee präsentiert sich Altholz: „Wir sind immer auf der Suche nach alten Holzbauten auf dem Gebiet der ehemaligen KuK-Monarchie. Wird beispielweise ein Stall aufgelassen, kommen wir und entnehmen alle verwertbaren Holzbauteile. Auf biologische Art werden die Schädlinge darin abgetötet, das Holz geschliffen. Danach kann es in modernen Neubauten wieder Verwendung finden.“
Ebenfalls mit Materialien für die Inneneinrichtung beschäftigt sich die Hale GmbH. Zwischen zwei Glasplatten werden dünne Holzfurniere, gepresste Gewächse, Textilien und andere Materialien eingelegt. Die entstandenen Elemente können für Leuchten, Tischplatten, Duschenverkleidungen, Fassadenelemente und vieles mehr verwendet werden.
Ein weiteres Einrichtungselement das meine Aufmerksamkeit weckt, kommt aus dem Hause Safretti. Die von Porsche Design entworfene Feuerstelle (siehe Galerie) punktet mit gewohnt reduzierter Optik, hochwertiger Verarbeitung und smarten Lösungen für das Löschen des Feuers und die Befüllung mit Alkohol.

Neben den Repräsentanten großer Firmen fand ich auch einige Klein- und Kleinstunternehmen, die Ihre Errungenschaften auf der Design Linz in Szene setzten.
Die mit biegsamen Solarpanelen ausgestatteten Umhängetaschen von SunnyBag erscheinen auf den ersten Blick wenig Reizvoll für den Gebrauch im urbanen Alltag. Was hier den Anschein eines weiteren Öko-Produkts mit geringen Absatzzahlen weckt, macht in weniger zivilisierten Regionen der Erde gleich mehr Sinn. So wird das mobile Kraftwerk in Afrika bei Ärzte ohne Grenzen eingesetzt – zum Aufladen von Defibrillatoren zum Beispiel.
Die St.Pöltner Designerin Helene Steiner entwickelte ein Wäschekorbsystem namens Polyp, welches künftig die Wände von Wäschekammern schmücken soll und Leuchtstoff erzeugt auf Basis von Vektorgrafiken maßgefertigte Wandleuchten mit geringem Stromverbrauch (4 bis 8 Watt) in einem Kostenrahmen von zwei- bis fünfhundert Euro.

Letzten Endes ist Enttäuschung doch oft nur das Ergebnis zu hoher Erwartungen. Meiner Ansicht nach handelte es sich nun mal mehr um eine Einrichtungs- und Möbelausstellung als um eine Designmesse. Unter Anerkennung dieses Gesichtspunkts war ich aber schließlich doch noch froh, die sieben Euro für den Eintritt investiert zu haben.